Die Fahne des Vereins

Zu Beginn des Jahrhunderts gab es in Bergkirchen einige junge Leute, die Freude am Schießsport hatten. Zu dieser Zeit gab es in Bergkirchen noch keinen Schützenverein. Die jungen Männer waren daher gezwungen sich einem bereits bestehenden Verein (Unterbachern) anzuschließen. Es waren dies die vier Gebrüder Pfeil und Marcell Frank, zu seiner Zeit ein bekannter oberbayerischer Ringer.

Das Interesse am SchießsportDie Gaststätte Groß in den 50ziger Jahren wuchs allgemein. Im Jahre 1906 wurde dann ein Schützenverein mit Namen "Hubertus Bergkirchen" gegründet. In den Wintermonaten wurde nun jeden Samstagabend in der Gastwirtschaft Groß geschossen.

Es ist anzunehmen, dass der damalige Bürgermeister, Johann Haas (Hacker), Bürgermeister
Johann Haas im Jahre 1902der erste Schützenmeister war. Das erste Vereinsgewehr war ein Zimmerstutzen. Geschossen wurde, wie damals üblich, von der Wirtsstube durch das sogenannte „Guggerl“ ins Nebenzimmer. In diesem Nebenzimmer saß hinter einem Tisch der Zieler. Dessen Aufgabe war es, die geschossenen Ringe anzuzeigen.
Der erste Zieler war Probst Martin (Kramer). Das Schußgeld betrug für 10 Schuß 30 Pfennige. Ein stolzer Betrag, war doch damals der Stundenlohn eines Maurers genauso hoch. Trotzdem fand der Schießsport immer mehr Freunde. Es war aber nicht nur der sportliche Wettkampf allein, der die Mitgliederzahl innerhalb kurzer Zeit auf 30 Schützen ansteigen ließ, sondern in erster Linie das gesellige Beisammensein. Aufgrund der Einträge in eine noch vorhandene Schießkladde aus dem Jahr 1913 konnten Anzahl und Namen der damaligen Vereinsmitglieder noch festgestellt werden. Verschiedene Artikel im Amperboten der Zeit vor dem 1. Weltkrieg zeugen vom regen Vereinsleben in der damaligen Zeit. Der damalige Schriftführer, Hauptlehrer Ritter sen., berichtet schon damals vom Anfangs- und vom Endschießen, dessen Tradition sich bis zum heutigen Tage erhalten hat. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges mußte der Schießsport eingestellt werden.


Erst 6 Jahre nach Ende des 1. Weltkrieges wurde der Schießsport wieder belebt. Vorstand wurde damals Johann Gerstlacher. Als Schriftführer fungierte Hans Englmann. Josef Groß war Kassier. Es dauerte bis 1925 bis der Verein die frühere Mitgliederstärke von ca. 30 Schützen wieder erreicht hatte. Zur genaueren Auswertung der Treffer wurde schon 1925 eine Teilermaschine angeschafft. Die Maschine kostete 30 Reichsmark. Diese Teilermaschine wurde bis Anfang der 80ziger Jahre verwendet und ist bis heute funktionsfähig. Aus dieser Zeit stammt auch der Entwurf einer Vereinssatzung, der noch erhalten ist. Dabei handelt es sich um ein in deutscher Schrift, mit Bleistift, niedergeschriebenes Dokument (leider ist der Verfasser nicht mehr feststellbar). Auch das Kassenbuch des Vereins, das in dieser Zeit angelegt worden war, existiert noch. Es wurde bis in Mitte der 90ziger Jahre geführt und mußte dann schließlich dem EDV-Zeitalter weichen. Diese Unterlage alleine sagt sehr viel über Wohl und Wehe des Vereins in den einzelnen zeitlichen Epochen aus.

Bei den alljährlichen Preis- und Strohschießen wurde hauptsächlich die Geselligkeit gepflegt. Der Höhepunkt des Jahres war auch damals der Haus- und Schützenball.
1939 begann der 2. Weltkrieg. 1940 mußte der Schießbetrieb erneut eingestellt werden. Nach dem Krieg, bis 1950, war der Besitz jeglicher Schußwaffen verboten.

Johann Gerstlacher Erst nach 1950 wurde unter Schützenmeister Johann Gerstlacher der Schießbetrieb wieder aufgenommen. Dieser Neubeginn war jedoch nur möglich, weil einige beherzte Vereinsmitglieder den Zimmerstutzen bei Kriegsende vor dem Zugriff der Besatzungstruppen retteten. Michael Krotzer Die Mitgliederzahl bewegte sich in den Nachkriegsjahren regelmäßig zwischen 35 und 40 Schützen. Durch den Kauf einer Scheibenrückholanlage im Jahre 1954, Schützenmeister war mittlerweile Michael Krotzer, konnte auf die verantwortungsvolle Aufgabe des Zielers, die damals vom 1992 verstorbenen Alois Zollbrecht ausgeübt worden war, verzichtet werden. In den Jahren 1956 bis 1958 führte Andreas Gasteiger den Verein, bevor Hermann Barth dieses Amt im Jahr 1958 übernahm. Andreas Gasteiger

Zwei Jahre später, 1960, wurde zum Zimmerstutzen noch ein Walther Luftgewehr hinzugekauft. Durch den Anbau eines Saales, im Rahmen der Erweiterung des Vereinslokales, hatte der Schützenverein die Möglichkeit, an drei Ständen von der Gaststätte aus in den neu geschaffenen Saal zu schießen.

Weihnachten 1962 wurde erstmals ein Christbaumkugelschießen durchgeführt. Diese Tradition wurde bis in die Neunziger Jahre beibehalten. Aufgrund des neuerlichen Umbaues der Gaststätte musste diese Tradition in der ursprünglichen Art aber aus Sicherheitsgründen aufgegeben werden.

Hermann Barth1968 übergab Hermann Barth nach 10jähriger Amtszeit das Schützenmeisteramt an Weigl Johann. In dieser Zeit wurde aufgrund des aufkommenden Interesses bei der Jugend der Schießabend von Samstag auf Freitag vorverlegt. Aufgrund der steigenden Mitgliederzahlen wurde auch die Anzahl der Schießstände auf 4 erhöht. Gleichzeitig wurden damals auch zwei neue Luftgewehre gekauft. Wegen der hohen Munitionskosten wurde das Schießen mit dem Zimmerstutzen eingestellt.
Fester Bestandteil des Schützenjahres war während der Regentschaft von Weigl Hans Die Langenpettenbacher Musikanten das Weinfest in der Halle der Familie Eberl. Die Blaskapelle Langenpettenbach wurde damals aufgrund der guten Kontakte (Glas Vitalis sen.) regelmäßig zur Unterhaltung auf. Die Langenpettenbacher waren dann 1982 selbverständlich auch die Festkapelle, als damals die Fahnenweihe abgehalten worden war.

Johann Weigl übergab 1978 das Schützenmeisteramt an Georg Liegsalz. Dessen Initiative verdankt der Verein u. a. die Einrichtung einer Jugendschießgruppe. Die Mitgliederzahl wuchs damals stetig und erreichte gegen Ende der 70ziger Jahre die Anzahl von 80 Schützen. Der Verein beteiligte sich damals noch nicht an Rundenwettkämpfen. Die Schießleistungen waren aber trotzdem zu keiner Zeit zu verachten. 1979 wurde z. B. der Raiffeisenpokalwettbewerb gewonnen.

Die Pflege der Geselligkeit und der Kameradschaft kam bei alledem aber bei den Hubertusschützen nie zu kurz. Anfang der 80zigr Jahre wurde das Weinfest durch ein Starkbierfest abgelöst. Im Oktober findet bis heute immer noch ein Kesselfleischessen statt. Kesselfleischessen 2003Die Räumlichkeiten, nämlich seine Garage und das erforderliche Equippment (Kessel, Bänke und Tische) hierfür stellt seit einigen Jahren Beyer Alfred zur Verfügung. Die Sau dafür fütterte bis Ende der 90ziger Jahre für gewöhnlich die Familie Glas, die anschließend auch das Räuchern übernahm. Das Geräucherte wird dann jeweils um Hl. Dreikönig bei einem gemütlichen Beisammensein gegessen. Seit Mitte der 70ziger Jahre fand diese Veranstaltung im Reiterstüberl von Simon Heitmeier statt. Erstmals im Jahr 2000 wurde das Essen nach über 25 Jahren ins Naturfreundehaus in Günding verlegt.



Auf Anregung und Betreiben der Mehrzahl der Mitglieder wurde bei einer außerordentlichen Mitgliederversammlung im März 1981 die Abhaltung einer Fahnenweihe beschlossen. Festgottesdienst Die Fahnenweihe fand dann auch 1982 unter Anteilnahme aller Bergkirchner statt. Alle halfen mit das Dorf auf Vordermann zu bringen. 70 geladene Vereine, Ehrengäste, z. B. Landrat Dr. Christmann, der damalige Gauschützenmeister, Aschbichler Josef, MdL Herbert Huber und viele andere nahmen an den Festlichkeiten teil. Der Festgottesdienst fand bei herrlichem Wetter auf dem Fußballfeld des TSV Bergkirchen statt und wurde vom damaligen Pfarrherrn Josef Eggendinger zelebriert.

1984 übernahm Anton Haas das Amt des 1. Schützenmeisters. Unter seiner Führung wurden die neuen Schießstände des Vereins eingeweiht. Der Bau dieser Schießstände war nicht zuletzt ein Verdienst des Vereinswirtes Josef Groß, ohne dessen Begeisterung für den Schießsport dies wohl nicht möglich gewesen wäre. Dem Verein stehen heute in der Gaststätte Groß sieben Schießstände für Luftgewehr und Luftpistole zur Verfügung. Ein 25m-Schießstand für Sportpistole grenzt unmittelbar an und wird ebenfalls genutzt.

Im Jahre 1986 übernahm der Schützenverein Hubertus Bergkirchen die Patenschaft bei den Hubertusschützen in Feldgeding.

1990 kam es wiederum zu einem Wechsel in der Vorstandschaft. Johann Haas übernahm das Schützenmeisteramt. Unter seiner Führung erinnerte sich der Verein seiner Tradition im geselligen Bereich. 1992 und 1993 konnten die ersten Mitglieder für 40jährige Mitgliedschaft geehrt werden.

Verschiedene Mannschaften aus der Jugend und der Schützenklasse nehmen mittlerweile auch rege an den Rundenwettkämpfen des Schützengaues teil. Die Erfolge (Gaumeisterschaft LP im Einzel- und Mannschaftswettbewerb ab dem Schützenjahr 1993) lassen für die Zukunft des Schießsportes in Bergkirchen hoffen.

Selbverständlich gibt es immer noch das Kesselfleischessen, das Geräucherteessen, den Schützenball, das SommerfestSchützenfest 2005 und das große Preisschießen.
Der Verein ist ständig bemüht einen Ausgleich zwischen Tradition und Moderne zu finden und will auch in Zukunft für alle offen sein.
Höhepunkte der letzten Jahre waren eine erneute Patenschaft bei den Hubertusschützen in Feldgeding im Jahr 1995 (100jähriges Gründungsfest). Aus diesem Anlaß kleidete sich ein großer Teil der Vereinsmitglieder neu ein. Im Jahr darauf feierte der Verein sein 90jähriges Bestehen. Im Frühjahr des gleichen Jahres war man Ausrichter des Gauschützenballes in der Maisachhalle.Die Teilnahme an Fahnenweihen betrachtet der Verein als eine traditionelle Verpflichtung. Jährlich nimmt man an etwa zwei Veranstaltungen teil.

Der Schießstand wurde 1999 mit einer EDV-unterstützten Auswertmaschine ausgestattet. Die Vereinsverwaltung wird bereits seit 1995 EDV-unterstützt abgewickelt. In den Waffenschränken des Vereins finden sich moderne Luftdruckwaffen, zu denen seit 1999 auch mehrere Luftgewehre und Luftpistolen gehören, die mit Preßluftkartuschen arbeiten. Der Mitgliederstand bewegt sich regelmäßig zwischen 140 und 150 Mitgliedern.

Letzter Höhepunkt des Vereinslebens war ein Schießwettbewerb zum Gedächtnis des mittlerweile verstorbenen Gastwirts, Josef Groß. Die Ehrenscheibe wurde von Rosa Groß getiftet. Gewinner der Ehrenscheibe war Huber Hans-Peter.

Am 15.11.2002 ging nach 12 Jahren die Vereinsära unter der Vorstandschaft von Johann Haas mit den Neuwahlen zu Ende. Hubert Weigl erklärte sich bei der Jahreshauptversammlung bereit, den Verein in das gerade begonnene Jahrtausend zu führen. Nur zur Erinnerung - 1968 bis 1978 wurde der Verein von dessen Vater Johann Weigl geführt. Hubert Weigl legte in seiner Amtszeit Wert auf die Ausgewogenheit von Geselligkeit und Sportbetrieb. Während seiner Amtszeit, die im November 2012 mit der Neuwahl einer neuen Vorstandschaft (1. Vorstand: Georg Haas) endete, organisierte er Freundschaftsschießen mit allen Nachbarvereinen in der Gemeinde Bergkirchen. Großes Engagement erforderte vom Verein auch die Ausrichtung des 100jährigen Vereinsjubiläums im Jahr 2006, das unter Beteiligung der Ortsvereine durchgeführt worden war. Nach einem Wassereinbruch im Schießstand während der Saison 2010/2011 im Herbst 2010 war der Verein kurzfristig gezwungen die Sportanlagen völlig neu planen und einzurichten, was, um den sportlichen Schießbetrieb nicht zu stören, im Frühjahr und Sommer 2011 vollzogen wurde. Höhepunkte der letzten beiden Jahre war Übernahme der Patenschaft bei der Fahnenweihe der Nikolausschützen in Deutenhausen im September 2011 und die Teilnahme am Gründungsfest des Burschenvereins Bergkirchen im Mai 2012.